Gefährlich, skandalös, authentisch

In einem privaten medizinischen Lehrinstitut werden Leichenteile beschlagnahmt. Es besteht der Verdacht der illegalen Beschaffung. In der Kieler Rechtsmedizin erkennt Paul Herzfeld auf einem der beschlagnahmten Arme ein auffälliges Nazi-Tattoo wieder: eine schwarze Sonne. Der versierte Rechtsmediziner beweist anhand von DNA-Untersuchung und Blutprobenvergleich, dass er den Mann, zu dem dieser Arm gehört, schon einmal seziert hat. Verkauft einer seiner Kollegen etwa Leichenteile? Oder stammen die Körperteile von Mordopfern? Auf der Suche nach Antworten kommt Herzfeld den Schuldigen so gefährlich nahe, dass auf einmal sein Leben nur noch an einem seidenen Faden hängt...

Der neue spektakuläre True-Crime-Thriller

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19. August, 9.59 Uhr
Kiel. Institut für Rechtsmedizin der Universität, 
Sektionssaal

Es fühlte sich gut an, wieder zurück zu sein. 
Fast schon beschwingt ließ Paul Herzfeld die metallene Schere, mit der er zuvor Luftröhre und Bronchien des Toten aufgeschnitten hatte, in schnellen Kreisbewegungen um den Ringfinger seiner rechten Hand rotieren. 
Sechs Monate war es jetzt her, dass er beinahe von einer eiskalten Killerin im schleswig-holsteinischen Nirgendwo getötet worden wäre. 
Nach diesem traumatischen Ereignis hatte sich der Rechtsmediziner für ein halbes Jahr beruflich völlig zurückgezogen und sich nur noch um seine kleine Familie gekümmert, sein Privatleben wieder ins Lot gebracht und seiner langjährigen Lebensgefährtin und Verlobten Petra Schirmherr einen Heiratsantrag gemacht. Im Spätherbst würde die Trauung stattfinden, die anschließende Feier sollte nur im engsten Familien- und Freundeskreis begangen werden. Er war geradezu erleichtert gewesen, als Petra Ja gesagt und nicht weiter darauf bestanden hatte, dass er seine Karriere als Rechtsmediziner gegen ein Berufsleben als Land- oder Amtsarzt in einer norddeutschen Kleinstadt eintauschte.

Vor einer knappen Woche war Herzfeld schließlich an seinen alten Arbeitsplatz im Kieler Institut für Rechtsmedizin zurückgekehrt. Hier fühlte sich der siebenunddreißigjährige Facharzt für Rechtsmedizin wieder mitten im Leben, auch wenn er tagtäglich von Tod und Verwesung umgeben war. Außenstehende fragten sich sicherlich, was das für ein Leben sei, inmitten von Toten. Aber die Rechtsmedizin war nun mal das, wofür er brannte: unerklärliche, plötzliche Todesfälle an Leichenfundorten und diese anschließend im Sektionssaal zu untersuchen; Gewalttäter durch akribische Spurensuche an der Leiche gemeinsam mit der Kriminaltechnik zu überführen; Verbrechern, auch wenn diese noch so heimlich und im Verborgenen agierten, auf die Spur zu kommen und sie mit naturwissenschaftlichen Beweisen zu überführen; Unschuldige zu exkulpieren, und Angehörigen Gewissheit zu geben, was einem geliebten Menschen in den letzten Stunden und Minuten seines Lebens wirklich widerfahren war.
»Alles im grünen Bereich, Frau Westphal«, wandte sich Herzfeld an seine Mit-Obduzentin mit den feuerroten Haaren, die den etwa sechs Meter langen Eingeweideschlauch von Dünn- und Dickdarm mit der dafür im Sektionsbesteck vorgesehenen Darmschere mit der erbsengroßen Metallkugel an der Spitze aufschnitt. »Kein Anhalt für eine Tuberkulose bei unserem Toten hier.«

Sektionsassistentin Annette Bartels hatte bereits alle inneren Organe aus seiner Brust- und Bauchhöhle entfernt, sodass der junge Mann nun ausgeweidet vor den beiden Obduzenten auf dem spiegelnden Edelstahl des Sektionstisches lag. Laut bisherigem Stand der polizeilichen Ermittlungen hatte ich der Mann, der aus Aserbaidschan stammte, in den letzten Wochen vor seinem Tod vorwiegend im Nichtsesshaften-Milieu rings um den Kieler Hauptbahnhof aufgehalten. Ein Routinefall für die beiden Rechtsmediziner.
Herzfeld bemerkte, wie Heike Westphal vergeblich versuchte, ein Gähnen zu unterdrücken.
»Die letzte Nacht war definitiv zu kurz«, entschuldigte sie sich. »Vier Geschädigten-Untersuchungen in der Chirurgischen Klinik nach der Messerstecherei heute Nacht in der Bergstraße. Ich bin seit halb vier auf den Beinen.« 
»Ich habe vollstes Verständnis, Frau Westphal«, erwiderte Herzfeld. »Gähnen ist der stumme Schrei nach Kaffee, hat mir mal jemand gesagt.« 
»Und derjenige hatte definitiv recht. Eine ordentliche Dosis Koffein wäre jetzt genau das Richtige für mich. Aber wir sind hier ja auch gleich fertig.«


Herzfeld legte die Schere neben den beiden Lungenflügeln des Toten auf dem am Fußende des Sektionstisches befindlichen Organtisch ab. Unauffällig musterte er seine Kollegin, die gerade den Dünndarm des Toten durch ihre linke Hand gleiten ließ, während sie das an eine Schlange erinnernde Organ mit schnellen Schnittbewegungen der Schere in ihrer rechten Hand der Länge nach aufschnitt und dabei mit konzentriertem Blick den Inhalt und die Schleimhaut musterte. Ihr auch sonst immer blasses Gesicht, das stark zu ihren feuerroten Haaren kontrastierte, schien heute besonders blass. »Eigentlich ist es der Etikette nach ja an der Dame, das Du anzubieten, aber ich setze mich einfach mal über den Knigge hinweg und mache diesen Vorstoß«, sagte Herzfeld und lächelte sie an. »Schließlich arbeiten wir jetzt seit bald zwei Jahren hier gemeinsam am Institut und haben beruflich schon so einiges zusammen durchgemacht. Paul!
»Sehr gern – Heike!«, antwortete die Dreiundvierzigjährige, während sie kurz aufblickte und Herzfelds Lächeln erwiderte, ehe sie sich wieder dem Darm des Toten widmete. 

»Was den hier …«, Herzfeld deutete auf den toten Aserbaidschaner auf dem Sektionstisch vor sich, »… anbelangt, würde ich gleich im Anschluss, wenn ich das Protokoll dik­tiert habe, Oberkommissar Tomforde anrufen und ihm mitteilen, dass wir ein Tötungsdelikt durch äußere Gewalteinwirkung definitiv ausschließen können und die toxikologischen Untersuchungsergebnisse abwarten – wenn du nichts dagegen hast. So aromatisch, wie der aus allen Körperhöhlen und seinem Magen riecht, tippe ich auf zwei bis drei Promille, wenn nicht sogar mehr. Ich würde mir aber zusätzlich gern noch sein Myokard unter dem Mikroskop ansehen, vielleicht hat er an einer Herzmuskelentzündung laboriert. Die Textur des Herzmuskels erscheint mir etwas zu aufgelockert. Was meinst du?«
Westphal nickte nur stumm als Antwort. »Du wirkst sehr müde, Heike. Was hältst du davon, wenn ich für den Rest der Woche deine Dienstbereitschaft übernehme?«, bot Herzfeld an. »Petra und Hannah sind noch bis zum Wochenende mit Petras Eltern in Sankt Peter-Ording. Der letzte Urlaub als Nicht-Schulkind für meine Tochter. Sie wird nächste Woche eingeschult. Ich bin zurzeit also sozusagen Strohwitwer. Und ganz ehrlich, mir fällt zu Hause die Decke auf den Kopf. Etwas Ablenkung könnte ich gut gebrauchen. Und zudem hast du in den letzten sechs Monaten während meiner Abwesenheit ja auch genug Dienste geschoben …« 

Ohne auf sein Angebot mit auch nur einem Wort einzugehen, erwiderte sie: »Sagen Sie, Herr Herzfeld … äh, ich meine … sag mal, Paul …« Sie ließ die Darmschere sinken, ehe sie langsam weitersprach. Es schien fast so, als würde sich die Rechtsmedizinerin jedes der nun folgenden Worte genau zurechtlegen.

»Ohne dir zu nahe zu treten – ich wollte dich schon die ganze Zeit fragen … Aber da du nicht im Institut warst, und ich dich während deiner Auszeit nicht stören wollte  … Wahrscheinlich geht es mich auch nichts an. Aber ich muss ständig daran denken. Ach, ich weiß einfach nicht, wie ich es sagen soll.«
Die Assistenzärztin machte ein betrübtes Gesicht.

»Sag es einfach freiheraus. Was ist los? Worum geht es?«, ermunterte Herzfeld sie. 
»Es geht um ihn. 
Herzfeld sah Westphal zwar mit einem erstaunten Blick an, wusste aber sofort, worauf seine Kollegin hinauswollte. »Um ihn? Du meinst Schneider?« 
»Ja. Ich denke oft daran, wie wir beide den unbekannten Toten, der am Falckensteiner Strand an der Mole im Wasser trieb, obduziert haben. Am ersten Februar dieses Jahres. Ich erinnere mich noch ganz genau an das Datum und auch noch sehr genau an dein Gesicht, Paul, als aufgrund des Zahnstatus des Toten klar war, dass es nicht Schneider ist. Wie gesagt, ich will dir nicht zu nahe treten, aber du hattest dir insgeheim gewünscht, dass es sich bei dieser im Gesicht völlig entstellten Wasserleiche um ihn handelte, richtig?« 
»Ja, Heike«, antwortete Herzfeld und stieß unbeabsichtigt einen tiefen Seufzer aus. 
Professor Doktor Volker Schneider, bis Anfang des Jahres noch stellvertretender Institutsdirektor der Kieler Rechtsmedizin, der sich nicht nur als Serienmörder entpuppt, sondern auch, nachdem Herzfeld ihm auf die Schliche gekommen war, bei einem regelrechten Amoklauf mehrere Menschen getötet und Herzfelds Verlobte Petra entführt hatte. 

»Ich übertreibe nicht, wenn ich dir sage, dass ich monatelang fast paranoid war, was Schneider anbetraf, nachdem er von der Schleibrücke gesprungen und spurlos von der Bildfläche verschwunden war. Überall meinte ich ihn zu sehen. Jeder hochgewachsene Mann mit ähnlicher Körperstatur ließ mich zusammenfahren. Er war so präsent! Heute ist das anders.« 
»Anders?«, wollte Westphal wissen. »Du meinst, es spielt jetzt für dich keine Rolle mehr, was mit ihm passiert ist?« 
»Ich habe meine Ängste überwunden. Oder vielmehr, ich habe es geschafft, mit der Erinnerung an ihn sowie mit der Unsicherheit, ob er noch lebt und Petra und mir vielleicht weiter nach dem Leben trachtet, so gut es geht, zu leben.« Jetzt war es Herzfeld, der ein betrübtes Gesicht machte. »Und dann passierten diese schrecklichen Dinge im Elbklinikum in Itzehoe, und meine Angst vor Schneider trat daraufhin in den Hintergrund. Seitdem denke ich so gut wie nicht mehr an ihn.« 
Herzfeld spielte damit auf die rätselhaften Todesumstände eines Pathologen vor etlichen Monaten an, bei denen er dem Chef eines skrupellosen Großkonzerns mit seinen Nachforschungen auf die Schliche kam, was ihn wiederum in das Fadenkreuz einer Killerin gerückt hatte.
»Was glaubst du? Was ist damals nach seinem Sprung von der Schleibrücke mit ihm passiert? Ist er gestorben?«, konkretisierte Heike Westphal ihre Frage. »Oder hat er den Sprung in den Fluss überlebt? Eigentlich ist das doch so gut wie ausgeschlossen. Das Wasser war eiskalt, es tobte ein Schneesturm, die Schlei war regelrecht entfesselt. Aber seine Leiche wurde schließlich nie gefunden.« 
Herzfeld ließ sich Zeit, ehe er antwortete. So viele Gedanken und beklemmende Erinnerungen schossen ihm durch den Kopf. Dann sah er Heike Westphal geradewegs in die Augen und sagte: »Ich weiß es nicht.

Michael Tsokos

Michael Tsokos

Michael Tsokos, 1967 in Kiel geboren, ist Professor für Rechtsmedizin und international anerkannter Experte auf dem Gebiet der Forensik. Seit 2007 leitet er die Berliner Rechtsmedizin. Seine Bücher sind allesamt Bestseller und wurden bereits mit hochkarätiger Besetzung verfilmt. Mit dem Schauspieler Jan Josef Liefers ist er in der Doku-Reihe „Obduktion“ bei TVNOW zu sehen. Weitere TV-Produktionen sind in Arbeit.

Instagram: @dr.tsokos

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