Verlagsgruppe Droemer Knaur

So liest man heute.

Bevor ich falle

9783426226223
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Klappenbroschur, Droemer HC
26.09.2012, 304 S.

ISBN: 978-3-426-22622-3
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Roman

»Ich war neun Jahre alt, als meine Mutter beschlossen hat, dass sie das Leben nicht mehr mag. Sie hat mich hochgehoben und ganz fest in ihre Arme geschlossen, dann hat sie mir einen Gutenachtkuss gegeben und mich in mein Bett gelegt. Meine gelbe Giraffe lag neben mir und die bunte Kuscheldecke auch. Ich weiß das noch so genau, als wäre es heute gewesen. Dabei sind Jahre vergangen, seit diesem letzten Tag in meinem Leben.«

Leselounge

Die Autorin

Lilly Lindner

Portrait von Lilly Lindner

Lilly Lindner wurde 1985 in Berlin geboren. Bereits mit fünfzehn begann sie autobiographische Texte und Romane zu schreiben. Ihr Debüt ...

zur Autorin Bücher von Lilly Lindner

Video

Pressestimmen

Ein kunstvolles, poetisches Romandebüt.

BRIGITtE, 19.09.2012

Lilly Lindner schreibt berührend über schwer zu Ertragendes - mit überraschenden Bildern und Wortschöpfungen.

Focus, 15.10.2012

Hier geht es richtig zur Sache. (ausgezeichnet mit vier Sternen)

Stern , 18.10.2012

Lesetipps

Du hast dieses Buch schon gelesen? Dann , um es hier weiterempfehlen zu können.

Dies ist das erste Buch, das mich schon nach der ersten Seite so berührt hat, das ich überall ein Kribbeln hatte. Das
erste Buch, das mich so zum weinen gebracht hat, dass ich kaum aufhören konnte...
Ein Buch von dem man lernen kann. Das Leben zu achten. (like a Lilly Lindner)

Man lernt die Personen kennen, die in Cherrys Leben und ihrer Geschichte wichtig sind. Ihren Vater, Scratch, Landon und Sophia. Man kann sich nicht mit ihnen identifizieren, aber das ist auch nicht das Ziel, denn man verliert sich in der Geschichte. Man fühlt zum Beispiel den Zorn ihres Vaters, man erlebt es in Gedanken mit, obwohl man nicht mal richtig weiß, wie die Personen eigentlich aussehen.

Lilly Lindner schafft es mit ruhigen, nicht überladenen Worten eine Geschichte wie diese zu schreiben. Auch in den dramatischen Situationen strotzen die Worte nur so von Ruhe und Direktheit, und das gibt ihnen ihre Dramatik und Tiefe. Sie schreibt keine unnötigen Dialoge, sondern sie lässt Cherry von der Vergangenheit und Gegenwart erzählen.
Aber sie schreibt auch mit vielen Metaphern. Teilweise ziemlich poetisch. Und es ist faszinierend und umso berührender, wenn sie einen Satz teilt. Und zwei daraus macht. Man kann nicht anders sagen, als "Wenn Worte zur Waffe werden", dann sind es Worte von Lilly Lindner.

Ich bin mir ziemlich sicher, dass ich nicht mal annehernd das geschrieben habe, was dieses Buch verdient hat oder, dass ich die richtigen Worte gefunden habe.
Josefine, 16.06.2013

"Was sind berechtigte Sätze?" wollte Love Intention Girl sofort wissen. "Sätze mit Papierhaftung", habe ich erklärt.


Und so sitz ich schon minutenlang vor meinem Laptop und überlege, wie ich die passenden Worte finde. Für so ein gelungenes Buch. Was mich so sehr berührt hat. Um ihm gerecht zu werden.

Lilly Lindner hat gedankenreich eine Geschichte entwickelt, die sich mit einem zerrissenen Mädchen und ihrem Schicksal beschäftigt. Cherry, die Hauptfigur in diesem Roman, verliert ihre Mutter mit 9 Jahren, als diese aus dem Fenster springt. "Wir haben damals im elften Stock gewohnt. So weit oben. War ich danach nie wieder." Fortan wächst Sie mit ihrem gefühlskalten Vater auf. ""Kannst du mich bitte lieben?", habe ich meinen Vater eines Tages in einem Anfall von hirnloser Sehnsüchtigkeit gefragt. Denn es war Weihnachten, und die fluffigen Schneeflocken sind am Fenster vorbei bis in mein stilles Herz getanzt. "Du bist vierzehn!", hat mein Vater, ohne aufzublicken, entgegnet und einfach weiter seine neu erworbenen Bundesschatzbriefe und Aktienpapiere neben dem riesengroßen mit dunkelblauen Kugeln behangenen Tannenbaum aufgestapelt. "Was hat das damit zu tun?", habe ich gefragt. "Du bist zu alt, um geliebt zu werden", hat mein Vater erwidert. "Das verstehe ich nicht", habe ich gesagt. "Kleine Kinder muss man lieben", hat mein Vater ungeduldig erklärt. "Damit sie einen Ansporn haben, um groß und arbeitsfähig zu werden, aber bei dir ist der Zug schon abgefahren."" Bis Sie dessen Kälte nicht mehr aushält und von zu Hause abhaut.

Ein Buch, das sich mit Magersucht, der schuldgebalten Zerrissenheit und deren selbstzerstörerischen Folgen auseinandersetzt. "Wir können nur so schuldig sein, wie wir es verstehen. Und im gleichen Atemzug können wir auch nur so unschuldig sein, wie wir es uns zugestehen." "Bevor ich falle" ist Lilly Lindners zweites Buch. Auch dieses Buch ist Droemer Verlag erschienen. In ihrem autobiografischen Erstlingswerk "Splitterfasernackt" verarbeitet Sie durchs Schreiben den sexuellen Missbrauch den Sie jahrelang überlebt hat. Und hier fängt meine Zerrissenheit an. Einerseits möchte ich alles von Lilly lesen, was ich unter die Finger und Augen kriege, um in ihr Wörterreich einzutauchen. Andererseits, werde ich beim Lesen immer Wissen, dass Sie das alles durchgemacht hat. Geholt habe ich es mir. Mit dem Lesen lasse ich mir noch Zeit. Lilly Lindner kann, obwohl ihre bisherigen Bücher nur sensible und verwundbare Ereignisse thematisieren, diese sehr fühlbar und mit einer Weisheit und Emotionalität beschreiben, die ihren einzigartigen Schreibstil ausmachen.

Ich denke ihre Worte können Kraft geben und Halt schenken. Das Cover von "Bevor ich falle" ist einen Hauch dunkler als das vom Vorgänger und hat so auch einen Wiedererkennungswert. Beim öffnen des Buches finden wir gleich ein paar Liedtexte, die dem Buch, neben den Worten seine innere Schönheit geb
Katarzyna Michalski, 22.03.2013

Mit „Splitterfasernackt“ beeindruckte und überzeugte Lilly Linder im Jahre 2011 viele Leserherzen mit ihrem
wunderbaren Talent, mit den Worten zu spielen und wunderschöne Sätze zu schreiben, egal wie grausam die Wahrheit ist, von der sie erzählte.
Auch in „Bevor ich falle“ zeigt sie wieder, wie besonders und einzigartig ihr Schreibstil ist, die Kunst, die richtigen Worte zu finden und zu verpacken.
Doch reicht der Schreibstil alleine aus, um ein gutes Buch darzustellen?
Meiner Meinung nach nicht …
Aber keine Sorge, Lilly Linder überzeugt also nicht nur mit dem Schreibstil, sondern auch mit der Geschichte ihrer Protagonistin Cherry.
Cherry ist 9 Jahre jung, als ihre Mutter aus dem Fenster springt und sie zur Halbwaise wird.
Sie hat ihrer Mutter am letzten Abend nicht gesagt „ich hab dich auch lieb“ und dieses Wissen wird sie ein Leben lang begleiten. Sie hat Schuldgefühle, die den Tod ihrer Mutter betreffen, und schafft es nicht, sich selbst zu verzeihen.
Ihr Vater, ein egoistischer und kaltherziger Mensch, treibt sie mit 14 Jahren endgültig aus dem Haus.
Landon ihr ehemaliger Schwimmlehrer nimmt sich ihrer an und begleitet Cherry auf dem Weg der Selbstzerstörung, Zweifel und dem Versuch, endlich ihren Platz im Leben zu finden …
Schon durch die Inhaltsbeschreibung merkt man, dass auch diese Geschichte keine leichte Handlung hat.
Cherry wird als Protagonistin sehr gut beschrieben, ich konnte ihren Schmerz und ihre Ängste gut nachempfinden und so manches Mal musste ich schlucken, wenn sie sich wieder verletzte, oder ihre Gedanken völlig in den Abgrund rutschten.
Wie auch die Autorin selbst kann Cherry mit Worten umgehen und bräuchte für ihr Mundwerk eigentlich einen Waffenschein. Denn sie verletzt nicht nur sich selbst, nein, sie verletzt jeden der ihr nahe steht und ihr helfen will, mit Worten!
Sie lebt ihre Gefühle in Texten aus, vor allem aber in Songtexte, die auf Englisch abgebildet sind.
Selbstverletzung oder auch Selbstzerstörung, Schuldgefühle und die Kunst zu verzeihen, sind sehr wichtige Themen in diesem Roman und werden auch deutlich besprochen. Das macht die ganze Geschichte ernster, grausamer und ich musste oft mal innehalten, um das Gelesene zu verarbeiten.
Dabei ist die Handlung recht spannend und berührt den Leser auch. Sie ist sehr emotional beschrieben und schockiert an einigen Stellen.
Jedoch gab es auch Passagen, wo ich lächeln musste und dachte, nun geht Cherry ihren Weg und schafft es sich von ihren Schuldgefühlen zu befreien.
Zum Schreibstil selbst habe ich oben eigentlich alles wichtige geschrieben.
Die Autorin spielt mit den Worten, schafft wunderschöne Sätze, egal wie grausam das beschriebene sein mag.
Beides zusammen, Handlung und Schreibstil, ließen mich das Buch nicht mehr aus der Hand legen und die Geschichte in einem Rutsch lesen.
Aufgebaut ist der Roman mit einem Prolog
Michaela, 01.10.2012

Inhalt:
Cherry ist neun Jahre alt, als sich ihre Mutter das Leben nimmt. Traumatisiert von diesen Abend, an dem ihre Mutter ihr noch einen Gutenachtkuss geben wollte, das Mädchen sich aber trotzig dagegen wehrte, gibt sie sich teilweise die Schuld an dieser Tat. Hätte sie bloß den Kuss erwidert, dann wäre niemals geschehen, was passiert ist. Der Vater, ein wahrer Egomane, macht die Situation nicht wirklich besser, verachtet Cherry und bestätigt sie in ihren Schuldgefühle. Das Verhältnis der Beiden ist zerworfen, Jahre vergehen und der Abgrund zwischen ihnen wird immer tiefer. Aus einem Streit heraus, entschließt sich die nun 14-jährige Cherry dazu, von zu Hause abzuhauen, einfach nur weg von ihrem Vater, ihrer Vergangenheit und den quälenden Erinnerungen. Weit kommt sie jedoch nicht, sie wird von ihrem ehemaligen Schwimmlehrer aufgegriffen, der sie bei sich aufnimmt und sich um sie kümmert. Somit könnte alles sich zum Guten wenden, doch die Vergangenheit lastet bleischwer auf der Gegenwart und macht es schwierig für Cherry, ihr Leben in den Griff zu bekommen.

Meine Meinung:
Welche Geschichte das Buch erzählt, war mir zu Beginn nicht ganz klar, weil auch der Klappentext nichts anderes erzählt, als die Situation vor dem Tod der Mutter, trotzdem hatten die Worte etwas an sich, dass mich magisch anzog.

Das Buch behandelt im Wesentlichen das Leben von Cherry, man lernt sie als neunjähriges Mädchen kennen und begleitet sie dann bis zum Alter von Mitte zwanzig. Traumatisiert von der schrecklichen Kindheitserinnerung und einem Vater, der von sich selbst sagt, mit Kinder nicht viel anfangen zu könne, klammert sie sich an Worte, an die vielen Worte, die in ihr stecken und einfach nur raus wollen. Ihr Vater, ein Verlagsbesitzer, hasst Menschen die mit Worten spielen, verabscheut Schriftsteller, Lektoren und Buchhändler, untersagt es dem Mädchen, Worte zu Papier zu bringen, oder gar zu lesen. Sie soll sich fern von Büchern halten, immerhin stammen sie von verachtenswerten Subjekten. So bleiben die Worte in ihr, bis sie an die Oberfläche drängen, einen angemessenen Platz suchen und ihn auch finden. Sie schafft es, ihre Worte in Liedertexte zu verwandeln, wird dadurch auch sehr erfolgreich, nur glücklich, diesen Zustand erreicht sie dadurch nicht.

Cherry beginnt sich selbst zu verletzen, weil sie tief und fest an ihre Schuld, am Tod ihrer Mutter glaubt. Das ganze Buch über ist deutlich spürbar, wie schwer diese Last wiegt. Ihr Vater ist ein wahres Ekel, man möchte ihn schütteln, möchte, dass er sich um das verletzliche Mädchen kümmert, ist es doch seine Tochter, doch außer Spott hat er nichts für sie übrig. Nachdem sie von zu Hause wegläuft, entsteht zwar eine Distanz zwischen den beiden, aber trotzdem bleiben seine Worte, seine Vorwürfe und sein Verhalten in Cherrys Kopf und beeinflussen ihr Handeln.

Im Frühling. Im Sommer. Überall verläuft sich die Zeit.
Yvonne, 29.09.2012
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