Verlagsgruppe Droemer Knaur



Deutschland misshandelt seine Kinder

9783426302347
Taschenbuch, Droemer TB
01.10.2019, 256 S.

ISBN: 978-3-426-30234-7
Diese Ausgabe ist noch nicht erschienen
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"Eine erschütternde Anklageschrift" hat der Stern das Sachbuch über Kindesmisshandlung von Michael Tsokos und Saskia Guddat genannt. Mit gutem Recht - denn die beiden Berliner Rechtsmediziner legen den Finger in eine schmerzende Wunde: Polizei-Statistiken verzeichnen etwa 4000 schwere Kindesmisshandlungen pro Jahr in Deutschland. Die Dunkelziffer ist jedoch enorm. Experten gehen von mehr als 200 000 Fällen aus – mit steigender Tendenz.
Die Rechtsmediziner Michael Tsokos und Saskia Guddat schildern das schockierende Ausmaß der Gewalt. Und sie decken gravierende Missstände auf: Der Kinder- und Jugendschutz versagt auf ganzer Linie; Sozialarbeiter schreiten oft nicht ein und gefährden das Leben der Kinder. Ärzte deuten aus Unkenntnis Misshandlungsspuren falsch, und Richter sprechen in Zweifelsfällen vorschnell die angeklagten Eltern frei.
Anhand vieler Beispiele aus der rechtsmedizinischen Praxis zeigen die Autoren, wie wir Gesundheit und Rechte der Kinder auch in Deutschland besser schützen können. Vor allem aber fordern sie ein beherztes Einschreiten gegen Kindesmisshandler – und gegen all jene, die die alltägliche Misshandlung von Kindern durch Wegschauen, Verharmlosen und Tabuisieren begünstigen.
Michael Tsokos, 1967 geboren, ist Professor für Rechtsmedizin und international anerkannter Experte auf dem Gebiet der Forensik. Seit 2007 leitet er das Institut für Rechtsmedizin der Charité. Seine Bücher über spektakuläre Fälle aus der Rechtsmedizin sind allesamt Bestseller.
Saskia Guddat, 1980 geboren, ist stellvertretende Leiterin der Gewaltschutzambulanz an der Charité. Sie ist Mitglied mehrerer Berliner Kinderschutzgruppen und berät die Berliner Kinderkliniken, den Berliner Kinder- und Jugendgesundheitsdienst sowie die Ermittlungsbehörden, Gerichte und Jugendämter.

Die Autorin

Saskia Guddat

Portrait von  Saskia Guddat

Saskia Guddat, 1980 geboren, ist Fachärztin am Institut für Rechtsmedizin der Charité. Sie ist Mitglied mehrerer Berliner Kinderschutzgruppen und ber...

zur Autorin Bücher von Saskia Guddat

Der Autor

Michael Tsokos

Portrait von  Michael Tsokos

Michael Tsokos, 1967 geboren, ist Professor für Rechtsmedizin und international anerkannter Experte auf dem Gebiet der Forensik. Seit 2007 leitet er...

zum Autor Bücher von Michael Tsokos

Lesetipps

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Fassungslos starre ich die Zahlen in dem Buch an! Noch fassungsloser bin ich über die Macht und Handlungsweisen von
Jugendämtern, entweder zu spät oder zu früh - und dann decken sich die auch noch alle. Das sitzt ein Richter und sagt: "Die Mutter sieht doch ganz lieb aus, das hat sie bestimmt nicht gemacht!" obwohl das gerichtsmedizinische Gutachten nicht lügt und dann bekommt die Täterin das Kind einfach wieder und kann munter weiter machen.

Es wird von echten Fällen geschrieben, die unter die Haut gehen, die mich zu Tränen rühren und fassungslos zurück lassen. Nicht nur die Frage "In was für einer Welt leben wir eigentlich?", auch ist z.B. das Adoptionsrecht veraltet und ungerecht. Da sitzt eine Mutter, die ihr Kind fast umbringt, für dieses Kind wird ihr das Sorgerecht entzogen, zack ist die Dame wieder schwanger und das neue Kind somit auch in Gefahr. Bist Du 42 Jahre alt, hast einen guten Job, ein Haus, genug von der Welt gesehen und hast halt das Pech, keine eigenen Kinder zu bekommen, bekommst Du kein Baby, weil Du ja zu alt bist!

Ich hoffe sehr, dass sich bald an den skandinavischen Ländern orientiert wird. Klar bin ich auch nicht für die totale staatliche Kontrolle, aber einfach vernünftig ausgebildete Erzieher/-innen mit endlich angepasstem Gehalt für das was sie tun, dann KiTas mit längeren Öffnungszeiten und ein Hand-in-Hand- Arbeiten mit den Eltern, was bei dem gegenwärtigen Schlüssel einfach nicht möglich ist. Nicht umsonst ist in den skandinavischen Ländern Kindesmisshandlung kaum möglich...

Mich hat das Buch zutieft bewegt und aufgerüttelt: jeden Tag werden Kinder misshandelt, vielleicht auch in Deiner Nachbarschaft? Warum sind die Fenster plötzlich zugeklebt? Warum hat das Nachbarkind schon wieder komische Verletzungen?
Es soll mich keiner falsch verstehen, manche Kinder fallen ständig oder haben tatsächlich Geschwisterkinder, die sehr grob sind (ich habe vier Jungs, hier haben wir auch alle möglichen Verletzungen durch), ich will keinen Generalverdacht gegen die Eltern,l - ich will einfach, dass jeder einfach etwas mehr aufpasst und bei Gefahr handelt! Wer das nicht tut, macht
Rekka, 27.08.2015

Als ich dieses Buch in Händen hielt, ahnte ich zwar was mich erwarten könnte...aber was ich da las, lies in mir die
Wut aufsteigen...Wut auf die Eltern...Wut auf die Behörden.

Ich als Mutter frage mich, wie kann man seinem eigenem Kind soetwas antun. Und wie kann man als Behörde so weg schauen bzw so tun, als wäre es nicht so schlimm.

Ich selber weiß ja, was in manchen Familien los ist.

Dieses Buch geht sehr offen mit den Problemen in deutschen Familien und Behörden um. Es gab viel negative Kritik. Aber ich finde es erstaunlich, das Herr Tsokos und Frau Guddat sich nicht haben beirren lassen und dieses Buch geschrieben haben.

Ich kann es wirklich jedem empfehlen, der nicht die Augen verschließen will.
Eva Mirschel, 01.01.2015

Saskia Guddat und Michael Tsokos, beide Rechtsmediziner an der Berliner Charité, haben ein Buch geschrieben, dass
gruseliger als jeder Thriller ist. In Deutschland werden jährlich ca. 200000 Kinder Opfer von häuslichen Gewalttaten. Das entspricht 500 Kinder pro Tag. 1 Kind stirbt täglich an den Folgen der Misshandlungen. Durch die tägliche Arbeit bekommen die beiden Ärzte das grausame Ausmaß zu sehen was den Kindern -meistens von den eigenen Eltern- angetan wird. Man liest ja häufig von Kindesmisshandlungen in der Zeitung oder im Internet und schüttelt nur den Kopf, aber was im Buch für Geschichten erzählt werden, da fällt einem nichts mehr dazu ein. Beispiel: Kinder werden auf heiße Herdplatten gesetzt oder in der Badewanne fixiert und diese wird mit brühend heißem Wasser gefüllt. Guddat und Tsokos berichten aber nicht nur von den Grausamkeiten, die den Kindern angetan werden, sondern auch von der Absurdität wie teilweise die Behörden mit den Fällen umgehen. Man lässt sich mit fadenscheinigen Ausreden der Eltern abspeisen und gibt die Kinder nach der Behandlung im Krankenhaus den Eltern sofort wieder mit. Kommt es dann doch einmal zu einer Anklage sprechen die Gerichte die Eltern oftmals wieder frei, entweder aus Mangel an Beweisen oder im zweifel für den Angeklagten, weil der Misshandler nicht eindeutig identifiziert werden kann. Nicht selten werden aus den kindlichen Opfern später selber Gewalttäter. Wenn man die Geschichten dieser Täter liest ist es aber auch kaum anders logisch, dass sie sich zu Tätern entwickeln. Sie kennen es ja nicht anders.
Auch der Teufelskreis unserer Jugendämter wird aufgezeigt: Junge, motivierte Mitarbeiter, frisch von der Universität haben sich zum Ziel gesetzt, den Kindern zu helfen, werden zu den Brennpunktfamilien geschickt, lassen sich durch die schon erwähnten fadenscheinigen Ausreden abspeisen oder bewusst täuschen, stellen nach einigen Dienstjahren einen Versetzungsantrag in den Innendienst um mehr zu verdienen, sind einige Jahre später total ausgebrannt und krank, wodurch die Ämter chronisch unterbesetzt sind und die Fälle sich auf dem Schreibtisch stapeln. Selten ist ein erfahrener Mitarbeiter mit Durchsetzungsvermögen vorort bei den Familien.
Sicherlich trifft das nicht auf jeden Mitarbeiter der deutschen Jugendämter zu, jedoch zeichnet sich im Buch eine Tendenz dazu ab.
Saskia Guddat und Michael Tsokos geben allerdings nicht nur Einblick in die Greueltaten sondern zeigen auch Fakten auf, die die Misshandlungen (hier vor allem die Folgemisshandlungen) mindern könnten. Z.B. eine generelle rechtsmedizinische Schulung der Familienhelfer um sich nicht so leicht täuschen zu lassen. Eine generelle Meldepflich der Kinderärzte bei Verletzungen die auf Gewalteinwirkung schließen lassen. Zur Zeit gibt es diese Meldepflicht nicht. In einem Abschnitt im Buch steht, dass viele Ärzte, gerade in Stadtteilen mit einer hohen Anzahl an Brennpunktfamilien, von einer
Christina Fischer, 03.07.2014

Oh doch, sie tun es... immer und immer wieder!
Dieses Buch deckt nicht nur auf, es gibt auch Tipps und zeigt Möglichkeiten, damit man selbst tätig werden kann und nicht wegschaut.

Die Autoren gehen hier sehr offen und direkt mit diesem Thema um, hier wird nichts geschönt, alles sind Tatsachen.
Petra Murach, 10.04.2014

Ich arbeite im Bereich Kinderschutz und muss immer wieder feststellen, das Geld vor Kindern geht. Die Autoren des Buches
haben unbestritten recht, auch wenn sie wahrscheinlich politisch und finanziell kein Recht bekommen werden.
Erwachsene heute sind kaum noch Vorbilder für die Vorbilder von morgen.
Andrea Klein, 25.02.2014
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