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DCI Karen Pirie: Warum wir die unperfekte Ermittlerin so lieben

Sie passt in keine Schublade, sie pfeift auf Modetrends und sie lässt sich von ihren Chefs nichts sagen. Karen Pirie ist der frische Wind im schottischen Kriminalroman.

Karen Pirie - Reihe und Person

Schottische Krimis sind weltweit sehr beliebt. Man nennt dieses Genre auch Tartan Noir. Die wichtigste Pionierin dieser düsteren Krimis ist die Bestseller-Autorin Val McDermid.

Mit ihrer Hauptfigur DCI Karen Pirie hat sie eine ganz besondere Ermittlerin erschaffen. Karen Pirie leitet bei der schottischen Polizei die Abteilung für ungelöste Altfälle (die sogenannte Historic Cases Unit). Sie rollt Verbrechen wieder auf, die oft schon Jahrzehnte zurückliegen.

Warum ist Karen Pirie so erfolgreich und beliebt? Das liegt an ihrer echten, unperfekten Art, ihrer politischen Haltung und ihrem starken Mitgefühl für die Opfer.

Woher kommt Karen Pirie?

Die Figur Karen Pirie ist eng mit dem Leben ihrer Erfinderin Val McDermid verbunden:

  • Einfache Herkunft: Val McDermid wuchs in einer armen Bergbau-Gemeinde in Schottland auf. Später durfte sie als erstes Mädchen einer staatlichen Schule in Oxford studieren. Dadurch lernte sie früh, wie ungerecht Klassenunterschiede sind.
  • Erfahrung als Journalistin: McDermid arbeitete 16 Jahre lang als Reporterin und berichtete über echte Kriminalfälle. Sie weiß genau, wie echte Polizeiarbeit funktioniert.

Diese Erfahrungen hat sie auf Karen Pirie übertragen. Auch Karen kommt aus einer Arbeiterfamilie. Sie hält nichts von steifen Regeln oder Politik in der Chefetage der Polizei. Sie geht ihre Fälle lieber mit gesundem Menschenverstand an.

Ein gutes Beispiel ist der Roman „Nacht unter Tag“ (A Darker Domain). Er spielt vor dem Hintergrund der schottischen Bergarbeiter-Streiks in den 1980er Jahren. Weil McDermids eigene Familie diese harte Zeit miterlebt hat, wirkt die Geschichte extrem echt und emotional.

Kein Model, kein Klischee: Wie Karen Pirie aussieht und wirkt

In vielen Krimis gibt es zwei Arten von Ermittlern: entweder wunderschöne Genies oder einsame Alkoholiker. Karen Pirie ist ganz anders.

Im Buch: Absichtlich unglamourös

In den Romanen wird Karen als klein, rundlich und unmodisch beschrieben. Sie hat „schlechtes Haar und einen schrecklichen Modegeschmack“. Diese Beschreibung macht sie unglaublich menschlich und sympathisch.

Karen überzeugt nicht durch ihr Aussehen, sondern durch ihre hervorragende Arbeit.

Trotzdem kann sie sehr entschlossen sein. Die Autorin schreibt, dass Karen so grimmig lächeln kann, dass kleine Kinder Angst bekommen.

Im Fernsehen: Klein, aber oho!

In der TV-Serie (im ZDF gelaufen unter: Karen Pirie – Echo einer Mordnacht) wird sie von der Schauspielerin Lauren Lyle gespielt. Lyle ist nur 1,57 Meter groß.

Die Regie nutzt diese geringe Körpergröße absichtlich aus: Wenn Karen im vollen Aufzug zwischen riesigen Kollegen steht, sieht sie klein und isoliert aus. Weil sie körperlich unterlegen ist, muss sie sich anders Respekt verschaffen. 

Sie tut das mit klugen Argumenten, einer scharfen Zunge und wenig Respekt vor ihren Chefs. Lauren Lyle sagt selbst über ihre Rolle: „Sie verhält sich wie ein kleiner Hund, der in die Enge getrieben wird und deshalb immer bereit ist, zuzubeißen.“

Die drei Geheimnisse ihres Erfolgs

Es gibt drei Gründe, warum Karen Pirie eine echte Kultfigur geworden ist:

1. Wut über Ungerechtigkeit

Männliche Polizisten in Krimis dürfen oft unhöflich sein – das gilt dann als „cool“ oder „durchsetzungsstark“. Wenn Frauen sich so verhalten, werden sie oft als zickig oder unhöflich beschimpft. Karen Pirie wehrt sich gegen diese unfairen Maßstäbe.

Ihre Wut lässt sie auf ganz eigene Art raus: Sie setzt sich allein in ihr Auto, dreht Heavy-Metal-Musik laut auf und schreit sich den ganzen Frust aus der Seele.

2. Praktische Kleidung statt Modetrends

Karens Kleidungsstil in der TV-Serie ist legendär geworden. Sie trägt weite Hosen, klobige Stiefel, Strickwesten über dem Hemd und eine praktische Gürteltasche (Bauchtasche) quer über der Brust.

In dieser Tasche transportiert sie alles, was sie braucht: Funkgerät, Ausrüstung und Snacks. Dieser Stil zeigt: Karen verschwendet keine Zeit mit Mode. Für sie zählt nur, dass ihre Kleidung bei der Arbeit praktisch ist.

3. Ein Herz für die Vergessenen

Karen Pirie ermittelt in Fällen, die von der Gesellschaft oft schon längst vergessen wurden. Sie tut das nicht für ihre eigene Karriere, sondern aus tiefem Mitgefühl mit den Opfern.

Dieses Mitgefühl zeigt sie auch im Alltag. In den Büchern „Der Sinn des Todes“ und „Das Grab im Moor“ geht es auch um syrische Geflüchtete in Schottland. 

Karen geht bei ihren nächtlichen Spaziergängen nicht einfach an ihnen vorbei. Sie spricht mit ihnen, versucht zu helfen und macht sich Gedanken über deren Schicksal.

Karen Piries Team und ihre Gegner

RolleBeziehung zu Karen 
DC Jason „Mint" MurrayUntergeordneter ErmittlerEr ist treu und ehrlich, aber anfangs etwas langsam und naiv. Er ist der perfekte, ruhige Gegenpol zu Karen.
DS Phil ParhatkaKollege und PartnerEr ist Karens engster Kollege und wird später ihr fester Lebenspartner. Sein plötzlicher Tod im Dienst stürzt Karen in tiefe Trauer.
Dr. River WildeForensikerinEine kluge Wissenschaftlerin und Karens beste Freundin. In der TV-Serie wohnen die beiden Frauen in einer WG.
DCS Simon LeesVorgesetzterEin typischer Karriere-Polizist und Karens Gegenspieler. Er schaut auf Karens Abteilung herab und will nur selbst gut dastehen.
Hamish MackenzieGeschäftsmannEr taucht im fünften Buch auf und könnte Karens neuer Partner werden. Doch Karen ist nach ihrem Verlust noch sehr vorsichtig.

Die richtige Reihenfolge der Karen Pirie Bücher

Karens Leben entwickelt sich stetig weiter. Lies die Bücher am besten in dieser Reihenfolge:

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Buch vs. TV-Serie: Was wurde verändert?

Für das Fernsehen musste die Geschichte angepasst werden, damit sie moderner und spannender ist:

  • Karen von Anfang an dabei: Im ersten Buch taucht Karen Pirie erst nach der Hälfte auf. In der Serie ist sie logischerweise ab der ersten Minute die Hauptfigur.
  • Modernere Zeit: Die Serie hat die Zeitebenen verschoben. Das Verbrechen passiert in der Serie im Jahr 1996 (statt 1978) und die Ermittlungen finden im Jahr 2022 (statt 2003) statt.
  • Der Podcast-Trend: Die Ermittlungen in der Serie werden durch einen modernen True-Crime-Podcast im Internet wieder ins Rollen gebracht. Der Podcast kritisiert, dass die Polizei damals bei der Ermittlung geschlampt hat, weil das Opfer eine einfache Kellnerin aus der Arbeiterklasse war.

     

Fazit: Warum Karen Pirie so wichtig ist

Karen Pirie ist deshalb so beliebt, weil sie echt wirkt. Sie ist nicht perfekt, sie wird wütend und sie lässt sich von ihren männlichen Chefs nichts gefallen.

Zusammen mit ihrem Team gibt sie den Opfern eine Stimme, die sonst vergessen worden wären. Sie sorgt dafür, dass die Vergangenheit nicht einfach totgeschwiegen wird.